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Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 2

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 2

Veröffentlicht am 01.08.2017

2.   Kosten für FttB-Ausbau

Der Aufbau eines flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetzes ist aufwändig und erfordert in nahezu jeder Straße Tiefbauarbeiten, um die benötigte Leerrohrinfrastruktur bis an den Hausanschluss zu bringen. Nur in Neubaugebieten ist der zusätzliche Aufwand gering, da dies einschließlich der Hausanschlüsse zusammen mit den Versorgungs-Anschlüssen für Strom, Gas und Wasser erfolgen kann. Vor der Verlegung von Leerrohren für ein passives Anschlussnetz ist ein technischer „Masterplan“ zu erstellen, der in Form eines Netzplans für das Ausbaugebiet die Positionen für die Anbindung an ein überregionales Backbone-Netz enthält, die Glasfaser-Knotenstationen („Glasfaser-PoP“) und Unterverteiler, Trassenverläufe auf Straßenzugsebene und Konfektionierung von Micro-Leerrohrbündeln sowie Informationen über Verzweigungen und Muffen. Beim Bau der Leerrohrtrassen ist eine präzise Dokumentation in einem GIS-System erforderlich, um den späteren Infrastrukturbetrieb sicherzustellen (Leerrohr-Kataster). Die Kosten für eine qualifizierte Netzplanung sind erheblich und können auch für eine Mittelstadt leicht über € 200.000 hinausgehen. Für eine solche Planung ist zudem ausreichend Zeit zu berücksichtigen, ein Jahr kann für eine flächendeckende Planung schnell anfallen.

Die Kosten für die Errichtung von FttB-Netzen werden zu ca. 70% bestimmt von den Tiefbaukosten für die Verlegung der Anschlussnetze bis zum Hausabschluss im Keller. Dabei ist vom Knoten (PoP) oder Unterverzweiger je ein eigenes LWL-Kabel zu jedem Hausanschluss zu führen. Die Verlegung der Kabel erfolgt idealerweise in einzelnen Microducts als Schutzrohren (Standard-Leerrohre kommen für eine Verlegung in Anschlussnetzen in der Regel nicht in Betracht). Die Bündel der Microducts werden durch die Straßen verlegt, über strategische Muffen bei Abzweigungen aufgeteilt und in Schächten zugänglich gemacht. Je nach Topographie und Bodenklassen liegen die Kosten nur für einen Hausanschluss (ohne Anlauf- und Verteilnetz) im Durchschnitt bei € 600 bis 3.000. Im Einzelfall streuen die Kosten in weitem Rahmen. Verfestigte Oberflächen (Befahrbarkeit für LKW) erhöht die Verlegekosten nicht unerheblich. Da in Gewerbegebieten ein Durchschießen der Faser von der Straße bis zum Gebäude oft nicht möglich ist, weil die Entfernung von der Grundstücksgrenze bis zum Hausanschluss öfter über 20 Meter beträgt oder LKW-befahrbare verdichtete Oberflächen anzutreffen sind.

Besteht die Möglichkeit, das Anschlussnetz im Beilauf zu anderen Tiefbaumaßnahmen (z.B. gleichzeitig mit Sanierungsarbeiten) zu verlegen, sinken die Kosten erheblich. Zusätzlich zu den Leerrohren werden in regelmäßigen Abständen Schächte benötigt, die einen leichten Zugang zu dem Leerrohrbündel ermöglichen. Je Straßenzug sollten mindestens zwei Schächte eingeplant werden, für die jeweils Kosten in Höhe von ca. € 1.500 anzusetzen sind. Der Netzabschluss beim Verbraucher ist so zu planen, dass die hausinterne Infrastruktur leicht angeschlossen werden kann. Für den eigentlichen Hausanschluss sind ca. € 350 einzuplanen, wobei diese fallweise im Rahmen eines Baukostenzuschusses oder einer Einmalzahlung vom Eigentümer geleistet werden.

Liegen in einem Ausbaugebiet mehrere räumlich getrennte Anschlussnetze, so wird ein regionales Backbone-Netz benötigt, das die PoP's oder Unterverteiler untereinander und über den Knoten mit dem überregionalen Backbone verbinden. Für den Unterverteiler können inklusive Installation und Stromanschluss Kosten in Höhe von € 30.000 anfallen, während für den Haupt-Knoten ca. € 150.000 anzusetzen sind. Aus Redundanzgründen sind zwei getrennte Knoten erforderlich. Bei der Verlegung des Backbone-Netzes, das aus Redundanz-Gründen als Ring ausgelegt sein sollte, fallen Verlegekosten an, die je nach Bodenklasse in einem größeren Maße unterschiedlich sein können. Bei einer einer Verlegung ohne versiegelte Oberfläche, z.B. m Randstreifen der Fahrbahn, ist mit ca. € 80 pro Meter zu rechnen. In einem Kreisgebiet kommen für einen Backbone-Ring schnell 100 Kilometer zusammen und falls keine nutzbaren Infrastrukturen zur Verfügung stehen, lägen die Kosten alleine für den Backbone-Ring in diesem Fall bei ca. € 8 Mio.

Das Anlaufnetz bzw. der Backbone-Ring benötigt mindestens eine, aus Redundanz-Aspekten besser zwei unabhängige Anbindungen an ein nationales Weitverkehrs-Backbone. Sofern noch nicht vorhanden, sind hierfür zusätzliche Kosten für die Verlegung von Standard-Leerrohr in Höhe von € 80 pro Meter zu rechnen. Die Glasfaserkabel selber werden in der Regel erst kurz Inbetriebnahme des Netzes eingeblasen oder eingezogen. Je Meter Glasfaserkabel mit mehreren Fasern sind Kosten von ca. € 2,50 anzusetzen. Im Backbone-Ring sind im Falle einer wahrscheinlichen Mehrfachnutzung der Leerrohre ca. € 4,50 pro Meter anzusetzen. Nicht zu Vergessen sind bei der Kostenplanung die anfallenden Spleißungen der Glasfaserkabel, die mit jeweils ca. € 8,00 eingerechnet werden können.

Bei einem Netzaufbau über einen längeren Zeitraum fallen die Kosten für die Glasfaser-Kabel, das Einziehen und Spleißen erst vor der Inbetriebnahme an. Auch die Aufstellung von Unterverteilern und Glasfaser-Knoten können in der Regel bis zu diesem Zeitpunkt verschoben werden. Auf diesem Wege können Teile der Investitionskosten bis kurz vor den Zeitpunkt der Erzielung erster Umsätze verschoben werden.
 

Zu den Investitionskosten für das Anschlussnetz kommen die Kosten für die Beleuchtung der Fasern, die Anbindung an Dienste-Plattformen und die Anmietung  von Backbone-Kapazität. In der Regel werden diese Kosten von dem Netzbetreiber übernommen, der das Anschlussnetz anmietet. Auch ein passives Anschlussnetz braucht Wartung und laufende Überwachung neben der Bereitschaft zur Beseitigung von Störungen. Da Leerrohre gasdicht sein sollten, ist eine jährliche Dichtigkeitsüberwachung sinnvoll, um auftretende Schäden frühzeitig zu erkennen. Neben Service und Wartung sind auch die Aufwendungen für administrative Aufgaben wie Rechnungsstellung, Buchhaltung und Jahresabschluss zu berücksichtigen.

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